Straßengeschichten


 

Als mich zu Beginn des Jahres Frau Ergun anrief und erzählte, dass ihre Dora vom Auto überfahren worden war, kamen mir all die Situationen in den Sinn, wo ich zusehen musste, wie es gerade noch einmal gut ging. Das Führen eines passionierten Stöberhundes ist reine Nervensache! Erzieht man ihn in jungen Jahren zu absolutem Gehorsam, dann kann es kein guter Stöberer werden. Außerdem liebe ich an meinen Hunden Temperament, Vorwärtsdrang und Neugier – auch wenn es Augenblicke gibt, in denen mir fast das Herz stehen bleibt.

 

Manchmal sind es einfach hilfsbereite Menschen, die einem Hund das Leben retten. Erst vor wenigen Wochen, als ich wie gewohnt mit meinen Hunden eine kleine Abendrunde jenseits des Flusses in der Nähe des Dorfes gehe, mache ich diese Erfahrung. Meine Hündin Chayenne schaut plötzlich zurück in Richtung des abgestellten Autos, erstarrt, und ohne sich von meinen Pfiffen stören zu lassen, startet sie durch. Eine sichtige Katze, die nach hinten über die Straße flüchtet! In solch einer Situation muss man trotz aller Panik versuchen, überlegt zu handeln. Erst die anderen Hunde an die Leine und so schnell wie möglich zurück ans Auto gerannt und die Hunde in der Box verstaut. Dann den Berg hinauf zur Straße! Dort hat ein Auto angehalten. Während viele Autos vorbei fahren, übergibt mir ein freundliches junges Paar Chayenne und erzählt, dass sie direkt vor ihrem Auto die Straße überquert hat und dann hinunter auf die daneben liegenden Bahngleise  gewechselt ist – immer die Katze in der Nase, die wohl aus den hinter der Bahnlinie liegenden Schrebergärten kam. Die jungen Leute sind den Hang hinunter geklettert und haben den Hund aus der Gefahrenzone geholt. Mir bleibt nur ein erleichtertes Dankeschön.

 

Im Jahr davor war es anlässlich einer Drückjagd, bei der drei meiner Hunde eingesetzt waren. In dem Jahr sollte das Treiben einmal anders herum gehandhabt werden – von der stark befahrenen Straße weg. Gleich das erste Stück Wild geht den Hang hinauf und dann rückwärts Richtung Straße. Nach einiger Zeit kommt Chayenne zurück. Beide anderen Hunde fehlen auch noch nach einer Stunde. Mir wird von Minute zu Minute mulmiger. Schließlich klingelt das Telefon. Mit klopfendem Herzen nehme ich das Gespräch an. Hutzel ist bei dem Gasthaus eingelaufen, wo wir uns morgens getroffen hatten. Der Wirt hat sie in den Zwinger seines abwesenden Rottweilers gesperrt! Aber meine alte Dicke fehlt immer noch. Als das Telefon eine ganze Zeit später wieder klingelt, ist die Besitzerin des an der Straße gelegenen Reiterhofes am Apparat. Die Dicke wurde von Nutzern der Bushaltestelle zu ihr gebracht und nun ist sie in einer Pferdebox eingesperrt. Große Erleichterung bei mir! Als ich die Dicke abhole, bekomme ich noch heftige Vorwürfe wegen Straßenverkehrsgefährdung.

 

Jetzt fällt mir auch wieder Chayennes Ururgroßmutter ein, die rote Nanett – eine sehr intelligente Hündin. Nur hatte sie beschlossen, dass sie bestimmt, wann ein Spaziergang zu Ende ist. Um diesen Ungehorsam abzustellen, hatte ich ein (damals noch nicht verbotenes) Teletaktgerät von der Kreisjägervereinigung ausgeliehen. Als wir uns nun dem Auto näherten, das ich ungefähr 200m von der Straße entfernt abgestellt hatte, steht ausgerechnet hier einer der bei uns sehr seltenen Hasen auf. Er läuft auf geradem Weg nicht etwa in den nahen Wald sondern zum stark befahrenen Autobahnzubringer – Nanett hinterher! Zwar war für mich der Zweck dieses Gerätes nicht Wildreinheit, aber hier ging es um das Leben des Hundes! Also drückte ich – keine Reaktion! Der Hase war inzwischen heil über die Straße gekommen. Ich versuchte nochmal Nanett zu bremsen – ohne jeden Erfolg! Also blieb mir nur noch zur Straße zu rennen, um den Hund wenigstens auf dem Rückweg abzufangen. Ein Stöberhund hält seinen Besitzer fit!

 

Von den Begebenheiten mit Nanetts Tochter Rosalie habe ich bereits in der Geschichte „Ein Jahr mit Rosalie“  (Menupunkt Interessantes) erzählt und will mich hier nicht wiederholen.

 

Eine meiner eindrücklichsten Erinnerungen spielte sich auf einer noch gar nicht eröffneten Straße ab. Jahrelang hatten wir eine Baustelle mit einer Eisenbahnbrücke, die Teil der Umgehungsstraße war. Abends führte uns der Weg einige Male unter dieser Brücke entlang. Wieder war es eine Katze, die sich vor den drei Cockern auf die Brücke und dort auf eine kleine Plattform ohne jeglichen Rand rettete, mit der die Stromkabel der Bahnlinie nach oben abgesichert wurden. Am Abgrund über den Kabeln die Katze, davor drei tobende Cocker! Das konnte doch nur in einer Katastrophe enden! Aber irgendwie schaffte es die Katze, über die Hunde zu springen und damit ihr Leben (aber auch das der Hunde) zu retten. Sicher waren das nur Sekunden, aber mir kam es endlos lang vor.

 

Es gibt sicher viele Situationen, die ich nicht gesehen habe und von denen ich nichts weiß. Aber eines ist sicher, dass ich sehr viel Glück gehabt habe in all den Jahren. Hoffentlich hält dieses Glück!

 


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last update 02.11.2018

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