Nanett - ein überhaupt nicht wasserfreudiger Cocker


Nanett mit 12 Jahren

Seit mehr als vierzig Jahren führe ich nun jagdliche Cocker. Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit und stellt an den Führer andere Anforderungen bei der Abrichtung.

 

Bezüglich des im JSK viel diskutierten Problems „Wasserfreude" oder „Verhalten am Wasser" habe ich am meisten von der roten „Nanett aus dem Immenreich" GHL 931 J1J1E1G2 gelernt. Sie war eine Tochter von „Lady Mary aus dem Immenreich" und „Grischa vom Hasenschreck", alle beide völlig unproblematisch am Wasser. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich noch keine Vorstellung habe, wie sich Wasserfreude vererbt!

 

Bei Nanett zeigte sich bereits früh, dass sie nicht bereit war, freiwillig das Wasser anzunehmen. Auch bei großer Hitze machte sie sich höchstens die Pfoten nass. Vollkommen anders sah es aus, wenn Enten auf dem Wasser waren. Da konnte sie auf einmal schwimmen! Was mir zuvor noch nie passiert war: Zwei Mal musste ich sie wegen der Enten aus dem Dorf holen, weil sie auch nach hunderten von Metern nicht bereit war aufzugeben. Stand ich aber an einem „sterilen" Wasser und gab das Kommando „Wasser voran", blieb es bei der schon gewohnten Verweigerungshaltung.

 

Es nahte der Herbst und damit die Jugendzuchtprüfung. Es half alles nichts! Wir mussten das über den Gehorsam regeln, denn Schwimmen konnte sie – das hatte sie zu Genüge bewiesen! Ich brachte sie zur schmerzhaften Erkenntnis, dass drakonische Maßnahmen folgten beim Ignorieren des Kommandos. Sie ging zwar immer noch nicht gern, aber sie ging! Die JZP wurde zwei Mal mit der Note 4 am Wasser absolviert. Das ist mir mit so manchem wasserfreudigen Cocker nicht gelungen.

 

Nun also die Vorbereitung zur HZP. Ich hatte keine Möglichkeit an der lebenden Ente zu arbeiten. Daher bat ich 14 Tage vor der Prüfung einen in der Nachbarschaft wohnenden Jäger, uns zur Entenjagd mitzunehmen. Es gelang ihm, eine Ente zu erlegen, die recht schnell Fluss abwärts trieb. Nanett, zum Apportieren geschickt, umkreiste die Ente und wollte dies so völlig ungewohnt riechende Tier nicht greifen. Da blieb nur eins, mitsamt den Stiefeln in das brusthohe Wasser und auf den Hund einwirken! Beide standen wir triefend am Ufer, aber die Ente war korrekt apportiert.

 

Zur HZP in Bayern waren fünf Cocker gemeldet. Wasserarbeit fand an einem kleineren, stark verschilften Teich statt. Nanett hatte die Ente sehr schnell in der Nase, aber dann waren sowohl Hund als auch Ente für längere Zeit verschwunden, so dass nicht nur ich, sondern auch die Richter unruhig wurden. Schließlich hörte ich in größerer Entfernung einen Richter den Hund loben. Nanett hatte die Ente in einen Wasserabzugsgraben verfolgt und gegriffen. Mit dem Ehrenpreis für die beste Wasserarbeit fuhren wir nach Haus.

 

Zur GP führte ich Nanett in der LG Nordmark. Die Wasserarbeit wurde bei Ludwigslust (Mecklenburg – Vorpommern) an einem großen See geprüft, auch hier mit reichlich Schilf. Herr Stiller meinte, ich solle dem Hund beim Finden der Ente etwas helfen. Ich entgegnete ihm, dass sie das sehr gut ohne meine Hilfe bewältigen würde – und so war es dann auch. In allen Wasserfächern erhielt sie die 4.

 

Auch in der Jagdpraxis konnte Nanett ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten bei der Entenjagd beweisen. Ich erinnere mich an eine Entenjagd an mehreren Waldteichen. Wir waren bereits an der Hütte zurück und hörten vom Teich unterhalb noch heftige Kommandos und wildes Platschen, weil ein Deutsch Drahthaar eine beschossene Ente nicht finden konnte. Als nach einiger Zeit noch kein  Erfolg zu verzeichnen war, ging ich hinunter und bot meine Hilfe mit Nanett an. Mit verachtungsvollem Blick auf den Cocker wurde mir die Bitte gewährt. Nanett geschnallt, umkreiste den Teich, und ohne sich auch nur die Pfoten nass zu machen, griff sie von oben unter den torfigen Teichrand und zog die Ente hervor.

 

Warum ich das aufschreibe? Wir züchten Jagdhunde! Freudiges Schwimmen im Wasser ist schön und gut – wir brauchen aber auch einen Hund mit Beutetrieb! Wie viele Spaniels habe ich schon freudig schwimmen sehen, die keinerlei Interesse zeigten, das Schilf anzunehmen, um Enten zu suchen. Wasserfreude macht zwar die Abrichtung leichter, aber noch lange keinen guten Entenjagdhund!


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last update 02.11.2018

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