Was ich über den Cocker denke

und warum ich ihn züchte


Franca Simondetti  1976

bekannte ital. Züchterin

 

Warum haben sie diese Rasse gewählt? Wie oft hat man mir diese Frage gestellt?

 

Um sie wunschgemäß beantworten zu können, wären mehrere Seiten notwendig, aber ich sage nur folgendes: Ich liebe Hunde und züchte seit meiner Kindheit, außerdem liebe ich die Natur und den Sport. Für mich kann der ideale Hund nur sportlich sein, aber nicht zu groß, damit ich immer mehrere um mich haben kann.

 

1946 habe ich meinen ersten Cocker kennen gelernt, und ich habe schnell begriffen, dass dieser Hund geringer Größe mit seiner großen Persönlichkeit dem entsprach, was ich suchte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Skye Terrier, Pudel, Deutsch Kurzhaar, Pointer und Setter besessen; aber keiner hatte die psychischen und physischen Qualitäten, die ich mir bei einem Hund wünschte.

 

Der Cocker ist auf psychischem Gebiet ein vollkommener Hund. Im Haus bemerkt man seine Gegenwart nicht. Er kann einen ganzen Tag verschlafen, ohne dass man etwas von ihm hört. Während ich diese Zeilen schreibe, liegen fünf in meinem Büro, die sich Hocker, Kissen und Sessel teilen. Sie sind seit mehreren Stunden da! Aber wenn ich aufstehe, sind sie sofort bereit aufzuspringen. Wenn ich in meine Stiefel schlüpfe und meine Pfeife umhänge, wird ein allgemeiner Trubel ausbrechen, wie wenn plötzlich ein verborgener Hebel umgelegt worden wäre. Einer rennt hin und her, der zweite bellt freudig und für alle ist es wie der Beginn eines großen Festes. Wenn sie draußen sind, sei es um jagen zu gehen oder für einen Spaziergang, sind sie unermüdlich: Sie schlüpfen überall durch, zeigen eine unerschöpfliche Neugier, interessieren sich für alles und erfinden die außergewöhnlichsten und verschiedenartigsten Spiele. Ob es regnet oder schneit oder der Boden matschig ist, nichts erschreckt sie. Für sie ist das Wasser wie ihr natürliches Element; selbst wenn sie noch ganz jung sind, springen sie ohne den geringsten Widerwillen oder die leiseste Furcht hinein.  Wenn sie total verdreckt sind, bemühen sie sich selber um Sauberkeit.

Kommt man von einer Jagd zurück, verbringen sie lange Zeit mit der sorgfältigen Reinigung des Fells. Sie ziehen die Dornen heraus und bearbeiten die Lehmklumpen mit Zähnen und Zunge. Man glaubt Katzen zuzuschauen, von denen jeder weiß, wie sorgfältig sie bei der Säuberung sind.

 

Zu all diesen Qualitäten kommt das sanfte Wesen und die Stärke der Zuneigung. Der Cocker begnügt sich nicht damit, begeistert mit dem Schwanz zu wedeln; er dreht sich und wackelt mit dem ganzen Hinterteil, wie wenn er vor Freude tanzen würde. Seine bewundernswert sanften und ausdrucksvollen Augen fragen dich immerfort, wie wenn sie den geringsten deiner Gedanken einfangen wollten und versichern dir, dass sein Leben innig mit dem deinen verbunden ist.

 

Um zum Ende zu kommen, stelle ich nochmals fest, dass die Jagd die wesentliche Beschäftigung des Cockers ist. Er trägt von klein auf herausragende Eigenschaften in sich. Nur wenn man ihn im Hinblick auf die Arbeit, für die er von Natur aus bestimmt ist, aufzieht und ihn auch so oft wie möglich dafür gebraucht, erlaubt man die Entfaltung der typischen seelischen und körperlichen Eigenschaften dieser Rasse, die eine der bekanntesten in fast allen Ländern der Welt ist.

 

(Etwas gekürzt aus dem Französischen übersetzt von R. Ückert 2010)


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last update 02.11.2018

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